Fluch der Weltmeere: Piraterie Völkerrecht und internationale Beziehungen 1500-1900


Fluch der Weltmeere: Piraterie Völkerrecht und internationale Beziehungen 1500-1900

Bücher Details

  • Titel:Fluch der Weltmeere: Piraterie Völkerrecht und internationale Beziehungen 1500-1900
  • Dateiname: fluch-der-weltmeere-piraterie-vlkerrecht-und-internationale-beziehungen-1500-1900.pdf
  • ISBN: 1184493593392917
  • Datum des Hochladens: 2020-01-15
  • Anzahl der Seiten: 527 Seiten
  • Autor: Michael Kempe
  • Verlag: Michael Kempe

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Überblick:

Über den Autor und weitere Mitwirkende Michael Kempe Historiker Dr. phil. ist Privatdozent an der Universität Konstanz und Mitarbeiter im Exzellenzcluster 'Kulturelle Grundlagen von Integration'. Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Als Christoph Columbus 1498 von seiner dritten Reise in den Westatlantik nach Europa zurückkehrte fürchtete er den Angriff französischer Seeräuber und traf in der Nähe der Insel Madeira Vorkehrungen um etwaige Überfälle von Piraten zu vermeiden. Mit den Eroberungen der Spanier in Amerika und den Ausdehnungen ihrer Machtsphäre dehnte sich auch der Radius seeräuberischer Aktivitäten im Atlantik aus. Am 21. April 1513 verfügte die kastilische Regierung zum ersten Mal über eine 'Real cédula' zur Sicherung der Indienschifffahrt gegenüber 'corsarios franceses'. Nachdem Jean Fleury 1523 im Seegebiet zwischen Madeira und Portugal zwei spanische Karavellen aufgebracht hatte und ihm auf diese Weise große Teile des Goldschatzes des Aztekenkönigs Montezuma in die Hände gefallen waren wagten sich Seebeutefahrer immer weiter bis nach Westindien vor. Vor allem aus Frankreich das sich seit 1521 im Kriegszustand mit Spanien befand brachen fortan immer häufiger Beuteschiffe auf um in regelrechten Rauboffensiven tief in den karibischen Raum vorzudringen. Als in Europa die ersten Nachrichten aus der Neuen Welt eintrafen erfuhren die Europäer nicht nur von unbekannten Ländern und Völkern sondern auch von den heftigen Kämpfen zwischen Spaniern und Franzosen im Westatlantik. So berichtete etwa Girolamo Benzoni 1565 in der 'Historia del mondo nuovo' ausführlich über die Aktivitäten der 'Corsari Francesi' in Übersee sowie über die spanischen Verteidigungsmaßnahmen der Gold- und Silbertransporte durch Begleitschiffe und Konvoifahrten.Im Laufe des 16. Jahrhunderts folgten den Franzosen englische und niederländische Beutefahrer. Piraten und Freibeuter schienen die neu erschlossenen Weltmeere in einen Raum der Rechtlosigkeit zu verwandeln. 'Das Meer ist das große Freigebiet im Sinn der Willkür; Raum der Gesetzlosigkeit' urteilte 1930 der Überseehistoriker Gustav Adolf Rein über die Wahrnehmung der Ozeane als europäische Seefahrer begannen eine unbekannte Welt zu erobern. Solche Annahmen entsprechen einer im akademischen wie im populären Denken bis heute tief verankerten Vorstellung. Folgt man etwa den Ausführungen Hans Blumenbergs dann lässt sich die bedeutungsschwere Metaphorik von Seefahrt und Schiffbruch vor allem auf eine 'Dä­monisierung' des Meeres als 'Sphäre der Unberechenbarkeit Gesetzlosigkeit Orientierungswidrigkeit' zurückführen. Mitunter hat man der Rechtlosigkeit selbst einen 'maritimen Charakter' unterstellt und sie als ureigenste Raumeigenschaft des Meeres beschrieben. So beispielsweise bei Carl Schmitt der im 'Nomos der Erde' (1950) aus einer dualen Raumordnung von territorialer Rechtsetzung und rechtsfreiem Meer das moderne Völkerrecht hervorgehen ließ. Als Beleg dafür dass im 16. und 17. Jahrhundert die offene See als Raum ohne Recht wahrgenommen wurde galt Schmitt die Omnipräsenz von Piraten und Kaperfahrern in dieser Zeit. Sie wurden damit zum Symbol einer internationalen Ordnung erhoben der zufolge auf dem Meer allein das Recht der Stärkeren gegolten habe.Inzwischen ist dieses Bild einer differenzierteren Sichtweise gewichen. Historiker wie Geographen betrachten das Meer heutzutage eher als einen Raum in dem zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Rechtsvorstellungen und politische Interessen aufeinander trafen und ineinander flossen. Ebenso wird Piraterie nicht mehr als Phänomen maritimer Rechtlosigkeit angesehen. Insofern motivieren die jüngeren Diskussionen über die Beziehung zwischen Geschichte und Raum dazu die Frage nach dem Verhältnis von Meeresraum und Recht historisch noch einmal neu zu stellen. Wenn dies im folgenden Kapitel hinsichtlich der Seeraubproblematik im 16. und frühen 17. Jahrhundert geschehen soll dann wird Raum hier nicht wie in der - letztlich mythisch-metaphysisch fundierten - Geojurisprudenz von Carl Schmitt als bloßer Behälter von Recht verstanden sondern als etwas das durch Recht erst eigentlich konstituiert wird. Diese Konstituierung erfolgte vor allem in der Anwendung des Rechtsinstituts der Marke und Repressalie sowie in der internationalen Vertragspraxis und den diplomatischen Beziehungen der Europäer in deren Mittelpunkt die Frage nach Piraterie und Pirateriebekämpfung rückte. Indem man zwischen legalen und illegalen Formen der Gewaltanwendung und Beutenahme auf hoher See unterschied - so die These - wurde auch das Meer als Teil eines universalen Rechtsraumes beschrieben.Der Pirat verübe ein geringeres Verbrechen weil er es auf dem Meer begehe das keinem Gesetz unterliege: 'pirata minus delinquit quia in mari delinquit quod nulli subjicitur legi.' Die inzwischen berühmten Worte hat kürzlich erst wieder der italienische Politologe Eugenio Di Rienzo rezitiert. Seit seiner Vermittlung durch Carl Schmitt gilt dieses Zitat als entscheidender Hinweis auf die zu Beginn der Moderne unter Juristen angeblich vorherrschende Ansicht vom Meer als rechtsfreiem Raum. Schaut man sich die Zitatstelle jedoch im Original an macht man eine erstaunliche Entdeckung. Die seit Schmitt übliche Verwendung entpuppt sich nämlich als eine Verkürzung des Originalzitates das Schmitt nach der Fassung von Alberico Gentili aus dessen 'Hispanicae advocationis libri dvo' (1613) wiedergibt. Eine Verkürzung die den intendierten Sinn entscheidend veränderte. So heißt es ursprünglich in den 'Responsa' (1558) des italienischen Humanisten Andrea Alciato bezüglich des Piraten: '[…] munus delinquit qui in mari delinquit in quo iure gentium vtitur & nulli legi subiicitur.' Mit dem Zusatz 'in quo iure gentium vtitur' erhält das Zitat nun einen anderen Sinn: Piraterie sei ein geringeres Vergehen weil es auf dem Meer verübt werde wo das Völkerrecht in Gebrauch sei und das keinem Gesetz unterworfen sei.Die rechtliche Differenz zwischen Land und Meer sieht Alciato darin dass letzteres keinem territorialen Gesetz unterstellt sei. Daraus folgt für ihn jedoch nicht dass dort gar kein Recht herrsche. Im Gegenteil: der humanistische Rechtsgelehrte schließt sich der römischrechtlichen Tradition an wonach das Meer wie fließendes Wasser insgesamt und Luft zu den 'res communes omnium' gezählt wurde für die das 'ius gentium' zu gelten habe wozu man etwa das Recht der Selbstverteidigung rechnete. Was hier mit Völkerrecht bezeichnet ist bezieht sich allerdings nicht auf den modernen Begriff als 'Zwischen-Mächte-Recht' sondern auf ein noch unspezifisches 'ius gentium' das als eine Art allgemeines Menschheitsrecht sowohl ein Recht zwischen den Völkern ('ius inter gentes') als auch ein Recht das innerhalb aller oder der meisten Völker gilt ('ius intra gentes') umfasste. Immerhin jedoch implizieren Alciatos Worte ein Rechtsgefälle zwischen Land und Meer. Alciatos Vorstellung eines 'verflüssigten Rechts' hat Gentili indes scharf verurteilt. Jedenfalls lassen sich weder Gentili noch Alciato als Gewährsmänner für die angebliche juristische Behandlung des Meeres als Raum ohne Recht heranziehen.Alciatos Ausführungen zur Piraterie blieben im 16. Jahrhundert keineswegs ohne Resonanz. Nachweisen lassen sie sich nicht nur bei Gentili sondern etwa auch im weit verbreiteten und viel gelesenen 'Repertorium' des Giovanni Bertachini. Die Auffassungen der humanistischen Gelehrten über Seeraub und Seeräuber standen ganz in der Tradition des römischen und kanonischen Rechts sowie seiner Kommentatoren seit dem Mittelalter. Wurden konkrete Fälle der Piraterie genannt dann bezogen sie sich zumeist auf Beispiele aus der Antike. Immer wieder erwähnt wurden Thukydides' Berichte über griechische Seeraubaktivitäten im östlichen Mittelmeer in der Zeit vor den Perserkriegen oder den groß angelegte Piratenfeldzug des Pompejus gegen die kilikischen Seeräuber oder die Gefangennahme Caesars durch Piraten und dessen spätere Vergeltungsaktion. Seit den Rechtskommentaren der mittelalterlichen Glossatoren und Postglossatoren waren Berichte über Piratengesetze und Strafexpeditionen gegen Seeräuberei der großen...

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